Der Schweizer Beat Feuz sicherte sich kampflos die kleine Kristallkugel als Disziplinbester in der Abfahrt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Gabriele Facciotti/AP/dpa)

Der Corona-Pandemie hat der alpine Skiweltcup in diesem Winter überraschend problemlos getrotzt – im Showdown um die Gesamtsiege wird nun aber das Wetter zum wohl entscheidenden Faktor.

Weil beim Saisonfinale in Lenzerheide heftige Schneefälle Sorgen bereiten und die Abfahrten gestrichen wurden, könnten im Kampf um die großen Kristallkugeln die Herausforderer bei den Männern und Frauen klar benachteiligt werden. «So ein Tag wie heute hilft sicher nicht», sagte Marco Odermatt im Schweizer Fernsehen.

Der Eidgenosse rangiert in der Gesamtwertung 31 Punkte hinter dem Franzosen Alexis Pinturault; Teamkollegin Lara Gut-Behrami hat 96 Zähler Rückstand auf die führendes Slowakin Petra Vlhova. Dass just in Graubünden zwei Schweizer wegen eines Wintereinbruchs womöglich entscheidend gebremst werden, das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Odermatt und Gut-Behrami haben auf die Abfahrt und den noch geplanten Super-G gesetzt, um ihre Stärken auszuspielen. Die Riesenslaloms am 20. März werden spannend – in den Slaloms am Tag darauf aber sind Pinturault und Vlhova klar stärker einzuschätzen.

Im Schweizer Team wuchs der Ärger über das Reglement, das besagt, dass bei Weltcup-Finales – anders als bei Großereignissen wie WM oder Olympia – Rennen nicht umgeplant werden können. Möglich wäre etwa, einen Ersatztag für davor abgesagte Speed-Rennen herzunehmen. Da steht der Teamevent an, der bei den Sportlern zwar beliebt, für die individuellen Weltcup-Wertungen aber irrelevant ist. «Es wäre nicht schlecht», sagte Odermatt, das künftig zu überdenken.

Aber die Schweizer waren nicht nur die Opfer der Absage: Beat Feuz sicherte sich kampflos die kleine Kristallkugel als Disziplinbester in der Abfahrt, und das bereits zum vierten Mal nacheinander. Sein verbliebener Rivale Matthias Mayer aus Österreich hätte die 68 Punkte Rückstand aber auch nur schwer aufholen können.

Ähnlich sah es bei den Frauen aus, wo Sofia Goggia 70 Zähler Vorsprung auf Weltmeisterin Corinne Suter (Schweiz) hatte. Die Olympiasiegerin aus Italien wollten in Lenzerheide nach einer Knieverletzung ihr Comeback geben, um die Kristallkugel auf der Piste zu verteidigen. Das war nun aber nicht mehr nötig. «Ich glaube, ich habe den Pokal verdient», sagte Goggia nicht zu Unrecht: Vor ihrer Verletzung gewann sie vier von fünf Abfahrten in diesem Winter.

Dass die Rennen abgesagt werden mussten, das verstanden alle Fahrer. Heftiger Schneefall und dazu Nebel ließen keine sicheren Events zu. Die Absage war «nicht ganz so überraschend», sagte die deutsche Vizeweltmeisterin Kira Weidle. Auch der ebenfalls mit WM-Silber dekorierte DSV-Teamkollege Andreas Sander bezeichnete die Jury-Entscheidung als «sehr nachvollziehbar». Von dem Plan, an einem Tag Trainings und Rennen der Männer und Frauen durchzudrücken, hielt Sander gar nichts. «Das wäre eine andere Disziplin gewesen», fand er.

Von Manuel Schwarz, dpa

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