Ist nach ihren Sprüngen von der Normalschanze von sich schwer enttäuscht: Carina Vogt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Daniel Karmann/dpa)

Erst rang Skisprung-Pionierin Carina Vogt mit den Tränen, dann dachte sie an Flucht. «Vielleicht renne ich auf irgendeinen Berg hoch und kriege den Kopf frei. Damit da mal wieder was zurechtgerückt wird», sagte die komplett frustrierte 29-Jährige.

Vogt ist mit einem Olympiasieg und fünf WM-Titeln die erfolgreichste Skispringerin der jüngeren Vergangenheit, doch die Triumphe aus der abgelaufenen Dekade waren am Oberstdorfer Schattenberg mindestens so weit weg wie die vorderen Ränge.

Nach zwei Hüpfern auf 81 und 70 Metern beendete Vogt das erste WM-Einzel auf Rang 30, zu Goldgewinnerin Ema Klinec aus Slowenien fehlten sagenhafte 130,9 Punkte. Das sind mehr als 65 Meter Differenz bei gerade einmal zwei Normalschanzensprüngen. «Das Knie war definitiv nicht der Grund oder die Ursache für dieses Debakel», sagte Vogt in aller Deutlichkeit. Sie sei «ein bissl sprachlos» und war definitiv total niedergeschlagen. «Das war glaube ich heute das Härteste, was mir je passiert ist.»

Der steinige Weg nach einem Kreuzbandriss und weiteren Komplikationen sollte unmittelbar zu einer erfolgreichen WM führen. Vogt arbeitete akribisch und verbissen an einem Comeback, die Titelkämpfe im eigenen Land wollte sie auf keinen Fall verpassen. «Carina Vogt hat schon einen hohen Anspruch. Die wollte jetzt in acht Wochen die Welt einreißen und hier möglichst wieder ganz nach vorne springen», beschrieb Bundestrainer Andreas Bauer. Unter dem Chefcoach hatte sich Vogt 2014 in Sotschi zur ersten weiblichen Skisprung-Olympiasiegerin gekürt, es folgten weitere WM-Titel 2015, 2017 und 2019.

Noch bevor Bauer das Aufgebot für das Teamspringen bekanntgab, verkündete Vogt in der Mixed Zone, dass sie für den Wettbewerb keine Rolle spiele. «Ich biete mich so nicht an, ich bin so ja auch keine Unterstützung, wenn ich solche Sprünge zeige. Es wäre für mich auch schwierig, mit der Drucksituation umzugehen», sagte Vogt. Am Abend bestätigte Bauer diese Einschätzung, statt der routinierten Vogt wird die junge Luisa Görlich zum Einsatz kommen.

Vogt, die auch für das Mixed keine Option sein wird, hat nun Zeit, sich körperlich und mental zu erholen. Auf der Großschanze steht nächste Woche ein weiteres Einzel an, für das sich Vogt zunächst intern qualifizieren muss. Mit den vorderen Plätzen dürfte sie dann nichts zu tun haben, aber 130 Punkte Rückstand und Rang 30 müssen es auch nicht noch einmal werden.

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