In Altenberg findet die Rodel-WM statt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sebastian Kahnert/dpa)

In Altenberg geht es nach der Rodel-Weltmeisterschaft gleich mit dem Weltcup weiter. Danach kämpfen die Rennrodlerinnen und Rennrodler an zwei Wochenenden im Oberhofer Eiskanal um Weltcup-Punkte, ehe die Saison ebenfalls mit einer Doppel-Veranstaltung in Sigulda in Lettland endet.

«Wir Rodler», sagt der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl, «hinterlassen einen relativ geringen ökologischen Fußabdruck.» Genau wie der Bob-Weltverband haben auch die Rodel-Funktionäre versucht, den Kalender nach Umweltgesichtspunkten zusammenzustellen. Ex-Rodler Julian von Schleinitz hat für die beiden Verbände ein Online-Tool entwickelt, um den Wettkampfkalender zu optimieren. «Ungefähr 70 Prozent der Emissionen kommen vom Reisen und nicht von den Bahnen», sagt von Schleinitz, der als Data Scientist bei der BMW-Group arbeitet. 

Doch Kritik gibt es trotzdem. Von Umweltschützern am Königssee etwa, dass die 1960 als erste Kunsteisbahn der Welt ausgebaute Anlage bis zur Saison 2025/26 für 60 Millionen Euro wieder aufgebaut und erneuert wird. Die Bahn war 2021 durch ein Unwetter schwer beschädigt worden. Auch die Diskussion um die Olympia-Bahn für die Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo erhitzt die Gemüter. 

Bis zum 31. Januar soll klar sein, wo die Bob-, Rodel- und Skeleton-Sportler um die Medaillen fahren sollen. Allen Bedenken zum Trotz könnte wieder ein Eiskanal gebaut oder renoviert werden. Italiens Regierung sieht das als nationales Prestigeprojekt, doch selbst das Internationale Olympische Komitee steht dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

Eine Baufirma aus Parma traut sich, die Bahn in Cortina in abgespeckter Form für 81 Millionen Euro in nur 625 Tagen olympiareif zu bekommen. Jetzt wird geprüft, ob das Angebot den wirtschaftlichen und technischen Anforderungen der Ausschreibung entspricht. In Cesana, Schauplatz der Bob-, Rodel und Skeleton-Wettbewerbe der Turin-Spiele 2006, wurde die Olympia-Bahn 2011 stillgelegt. Nun ist sie als zweiter Standort in Italien wieder im Gespräch für 2026. Österreich, die Schweiz oder Deutschland – auch der Königssee – sind als Olympia-Gastgeber für die drei Sportarten im Spiel.

Bundestrainer gegen Neubau

«Wir müssen Olympia umdenken. Wintersport sollte da stattfinden, wo er bereits war. Ich bin dagegen, neue Bahnen zu bauen», sagt Rodel-Bundestrainer Norbert Loch. Ansonsten, so findet der 61-Jährige, sei sein Sport sehr wohl noch zeitgemäß. «Wir haben genügend Bahnen auf der Welt. Es wäre ein Frevel, sie nicht zu nutzen. Wir müssen sie unterhalten, aber wir können sie auch mit guten Wettkämpfen unterhalten. »

Gute Wettkämpfe soll es auch bei der WM im Erzgebirge geben, die deutschen Rodlerinnen und Rodler gehören in allen Wettbewerben zu den Favoriten. Bei den bislang letzten Titelkämpfen in Oberhof gab es nur im Männer-Einsitzer kein Gold. In Altenberg geht es am Freitag mit den Sprint-Wettkämpfen los. Die WM endet am Sonntag mit der Team-Staffel, in der erstmals auch die Frauen-Doppelsitzer dabei sind.

«Der Werbewert der WM ist unbezahlbar. Für die Region ist das Gold wert», sagt Jens Morgenstern, der OK-Chef. Von Mitte Oktober bis Anfang März werde der SachsenEnergie-Eiskanal genutzt. Man verwende schon seit Jahren nur Regionalstrom aus erneuerbarer Energie. «Wir sind komplett co2-neutral – TÜV-geprüft», sagt der Geschäftsführer der Wintersport Altenberg (Osterzgebirge) GmbH.

Von einer «Umweltsünde Eiskanal» will Morgenstern nichts wissen. «Das ist eine ganz normale Sportstätte. Dann müsste ich auch fragen, warum wird im Fußball-Stadion der Rasen beheizt? Warum werden Spaßbäder betrieben? Dann müsste man die Diskussion vollumfänglich führen.»

Volker Gundrum

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