Die deutschen Biathlon-Damen-Staffel mit Vanessa Hinz, Franziska Preuß, Janina Hettich und Denise Herrmann (l-r) gewann WM-Silber. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sven Hoppe/dpa)

Vanessa Hinz, Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß feierten ausgelassen mit den Silbermedaillen um den Hals den ersehnten Befreiungsschlag.

Nach ihrem Coup um die überragende Schlussläuferin Preuß drückten sie ihren Teamkollegen die Daumen, mussten dann aber wenig später das Staffel-Drama um Startläufer Erik Lesser miterleben. Weil der Routinier, der bereits zuvor in seinen drei WM-Einsätzen in Pokljuka enttäuscht hatte, komplett einbrach, reichte es für ihn, Roman Rees, Arnd Peiffer und Benedikt Doll nur zu einem enttäuschenden siebten Platz.

Eine mögliche Erklärung lieferte Lesser nicht, da er – anders als gewohnt – keine Interviews gab. «Es geht ihm körperlich soweit gut. Eine medizinische Erklärung gibt es nicht», sagte Teamarzt Jan Wüstenfeld im ZDF, nachdem er mit Lesser gesprochen hatte. Der 32-Jährige hatte zuvor immer wieder mit Rückenproblemen zu kämpfen.

So schlimm es für Lesser lief, so phänomenal lief es für Preuß. Ihr imponierender Schlussspurt war bei den beiden WM-Siegen von Norwegen der Moment der Staffelrennen. Mit einem finalen Kraftakt auf der Zielgerade fing Preuß die Ukrainerin Olena Pidruschna noch um 0,4 Sekunden ab und sicherte den deutschen Skijägerinnen, die zuvor in den Einzelrennen immer knapp das Podium verpasst hatten, die ersehnte erste Medaille.

«Ich hab gemerkt, jetzt reicht’s. Das tut jedem extrem gut, der ganzen Mannschaft», sagte Preuß. Sie verhinderte die erste medaillenlose WM für die deutschen Damen seit 1987. Damit hat das DSV-Team vor den abschließenden Massenstarts am Sonntag mit Einzel-Silber von Arnd Peiffer bisher zwei Medaillen geholt. Ziel waren vier bis fünf.

«Man hat die Woche wieder gesehen, dass Leistungssport echt hart ist. Jetzt ist es mega-cool, dass wir heute den Tag erwischt haben und etwas zu feiern haben», sagte Preuß, die mit zwei fehlerfreien Schießeinlagen den Grundstein für das Erfolgserlebnis gelegt hatte.

Zwischenzeitlich sah es aber nach der nächsten WM-Enttäuschung aus. Nach einem starkem Auftakt von Hinz (28), die als einzige des aktuellen Teams beim bislang letzten WM-Sieg 2017 in Hochfilzen dabei war, wuchs der Rückstand der nicht so laufstarken Hettich bei ihrer ersten WM-Staffel auf die Spitze auf eine Minute an. Den Auftakt zur Aufholjagd machte Herrmann (32), die liegend mit drei Nachladern gerade so die Strafrunde vermied, dann mit einer fehlerfreien Stehendeinlage und einer schnellen Schlussrunde.

Und Preuß zeigte, warum sie die konstanteste Deutsche in diesem Winter ist. Nach dem letzten Schießen ging sie als Zweite in die Schlussrunde. Nachdem Pidruschna an ihr vorbei ging, sah es zunächst nach Bronze aus. Doch die Bayerin schlug zurück. «Es war eine geile Kiste», sagte Disziplintrainer Florian Steirer. Herrmann & Co können sich nun wie Peiffer nach seinem Edelmetall auf einen Schokoladenkuchen von den Teamköchen freuen.

Vielleicht bekommt auch Lesser als Aufmunterung davon was ab. Denn der Routinier erlebte einen Einbruch wie selten ein deutscher Skijäger vor ihm. «Schon beim Einlaufen sah er nicht gut aus», sagte sein Freund Arnd Peiffer: «Das kommt vor, das ist natürlich sehr schade, wenn das zum Höhepunkt passiert. Das tut mir leid für Erik. Das ist dann wirklich leiden, mental und körperlich.» Nach dem historischen Sprint-Debakel vermieden die stark laufenden Rees, Peiffer und Doll aber zumindest das schlechteste Staffelergebnis der Geschichte.

Nun hat vor allem Preuß gute Medaillenaussichten im abschließenden Massenstart am Sonntag (12.30 Uhr/ZDF und Eurosport), wo auch Herrmann und Hinz starten. Bei den Männern (15.15 Uhr) sind nur Peiffer und Doll dabei. Beide waren in der Staffel überzeugend.

Von Sandra Degenhardt, dpa

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