Katharina Althaus präsentiert und ihre WM-Goldmedaille. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Daniel Karmann/dpa)

Im Wissen um die eigene Ausnahmeform verlängerte Dreifach-Weltmeisterin Katharina Althaus den Ruhetag einfach. Am Tag vor einer historischen Chance verzichtete die bisherige Gold-Garantin auf einen Trainingsvormittag im tief verschneiten Planica und entspannte stattdessen vor der abendlichen Qualifikation im Teamhotel in Italien.

Mit einem weiteren Sieg am Mittwoch (17.30 Uhr/ARD und Eurosport) kann Althaus ihre grandiose WM mit einem geschichtsträchtigen Kunststück krönen: Viermal Gold bei einer Weltmeisterschaft wären im Skispringen ein Novum. 

WM-Rekord in Sichtweite

Die insgesamt achte Goldmedaille würde sie sogar mit Österreichs Rekordchampion Thomas Morgenstern gleichziehen lassen. Mit 26 Jahren ist sie auf dem Karriere-Höhepunkt. Die Ziele gehen ihr trotzdem nicht aus.

Ein Olympiasieg fehlt Althaus in ihrer Sammlung noch, auch Gesamtweltcup-Gewinnerin war sie noch nicht. Wohl noch mehr reizt die heimatverbundene Allgäuerin aber etwas anderes: Die Premiere einer Frauen-Vierschanzentournee mit Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen will Althaus unbedingt noch erleben. Frühestens 2024/25 könnte es wohl so weit sein. Schon im kommenden Winter soll es einen Vorgeschmack in den beiden deutschen Wintersport-Hochburgen geben.

Trotz der stark gewachsenen Medaillensammlung, für die Althaus nach eigenen Angaben zu Hause Platz schaffen muss, ist von Sättigung und nachlassender Motivation bei ihr in den Tagen von Slowenien nichts zu spüren. Ein Karriereende mit Mitte 20, wie es die beiden Biathlon-Ikonen Laura Dahlmeier und Magdalena Neuner wählten, käme bei ihr sehr überraschend.

Althaus fühlt sich sichtlich wohl als Gute-Laune-Ministerin im deutschen Skisprung-Team. Partywütig heizt sie die Medaillenfeten im Mannschaftshotel in Italien an. «Ein bisschen viel gesungen und gegrölt» – so begründete Althaus ihre angeschlagene Stimme nach der Feier von Gold im Mixed-Team.

Althaus und ihre Lockerheit

Ihre Lockerheit und Ausgeglichenheit fällt schon die gesamte Saison auf. Sie sei entspannter geworden, könne besser mit Misserfolgen umgehen, verriet Althaus vor der Weltmeisterschaft. Die Chance auf die WM-Bestmarke mit vier Titeln setzt sie nicht unter Druck, das betont Althaus im malerischen Tal der Schanzen immer wieder.

«Ich habe schon nach der ersten Goldmedaille gesagt, dass alles, was jetzt noch kommt, Zugabe ist. Und so ist es auch jetzt noch», sagte sie. Mit großem Selbstbewusstsein, das sich nicht zuletzt im reduzierten Trainingsprogramm zeigt, geht sie ihre abschließende WM-Mission an. «Ich kann Großschanze eigentlich immer ein bisschen besser als die kleine», sagte sie – und das nach drei Titeln auf der kleineren Anlage.

Althaus definiert sich nicht nur über ihren Sport. Auch abseits der Sprungschanzen wird ihr nicht langweilig. Althaus engagiert sich in der Heimat, nähte in der Corona-Zeit Masken. Beim Großschanzen-Einzel wird sie von Freunden und Fans unterstützt, die extra mit einem Fanbus aus ihrem Oberstdorfer Gemeindeteil Schöllang anreisen. Wie sehr sich Althaus mit ihrer Region verbunden fühlt, ist in jedem Satz zu hören. Anders als früher spricht sie bei der WM mit teils breitem Allgäuer Dialekt.

Im Sommer freut sie sich zudem auf ein ganz besonderes Fest: Dann soll die Hochzeit mit ihrem Verlobten, Patrick Schmid, steigen. Dessen Bruder, der Nordische Kombinierer Julian Schmid, sammelte in Planica auch schon zweimal Silber. Es wäre «sehr schön», wenn er und Althaus ihre Medaillen zur Hochzeit mitbringen würden, sagte er zuletzt. Bei Althaus könnten es dann gleich vier goldene sein.

Thomas Eßer und Patrick Reichardt, dpa

Von