Traut den DSV-Athleten einiges zu: Denise Herrmann-Wick. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Angelika Warmuth/dpa)

Ab und zu würde Denise Herrmann-Wick gerne ein paar Schüsse auf die Biathlon-Scheiben in ihrer Wahlheimat Ruhpolding abgeben. «Aber das ist nichts, was man mal so spontan machen kann. Grundsätzlich vermisse ich es schon ein bisschen», sagte Deutschlands zurückgetretene Vorzeige-Skijägerin der Deutschen Presse-Agentur.

Nach ihrem Karriereende war die Einzel-Olympiasiegerin am 30. Mai letztmals am Schießstand, ehe sie ihre Waffe für immer abgeben musste und ein neues Leben begann, in dem Sport weiter eine große Rolle spielt. «So ganz schlecht wäre ich nicht drauf», sagte die 34-Jährige lachend vor dem Start des WM-Winters an diesem Samstag (12.30 Uhr/ARD und Eurosport) mit den Mixed-Wettbewerben im schwedischen Östersund.

Langjährige Anführerin fehlt

Dort gehen die deutschen Biathletinnen erstmals ohne ihre langjährige Anführerin an den Start. Die Goldmedaillengewinnerin von Peking sorgte in der Vorsaison mit drei Siegen sowie zwei dritten Plätzen für alle Weltcup-Einzelpodestplätze, dazu kamen der grandiose Sprint-Triumph bei der Heim-WM in Oberhof sowie WM-Silber in der Verfolgung und mit der Staffel. Mit diesen Leistungen hatte Herrmann-Wick viel im deutschen Damen-Team abgefangen – quasi wie ein Schutzschild für ihre jungen Teamkolleginnen. «Es kann aber förderlich sein, dass wir nicht nur eine Leaderin haben und die anderen laufen hinterher», sagte Damen-Chefcoach Kristian Mehringer.

Herrmann-Wick blickt positiv auf den anstehenden Winter. «Im Team rechne ich absolut mit den Mädels, aber auch in den Einzelleistungen. Hanna Kebinger, Sophia Schneider und Vanessa Voigt haben zuletzt eine Bomben-Saison abgeliefert. Wenn alles zusammenkommt, ist da sehr viel möglich», sagte Herrmann-Wick. Auch die Erfahrungen bei der Heim-WM in Thüringen könnten helfen. «Die Konkurrenz ist stark. Aber die Chance ist groß, die Tür richtig weit aufzumachen», sagte Herrmann-Wick, die zudem auf die erfahrene Rückkehrerin Franziska Preuß setzt. Die 29-Jährige kehrte nach langer Zwangspause im Sommer zurück und gewann direkt alle drei Titel bei den deutschen Meisterschaften auf Skirollern.

Keinen Druck aufbauen

Top-Talent Selina Grotian (19), die im Frühjahr viermal Gold bei der Junioren-WM holte, solle man erst mal in Ruhe Erfahrungen sammeln lassen. «Da geht es eher darum, sie für die nächsten Jahre aufzubauen und Erfahrungen zu sammeln. Druck aufzubauen, wäre da grundsätzlich falsch», sagte Herrmann-Wick. Sollte jemand Hilfe brauchen, sei sie weiterhin immer für alle erreichbar.

Einen Rücktritt vom Rücktritt wird es nicht geben. Die Entscheidung fühle sich auch Monate später gut an. «Es war eines der allerschönsten Sportjahre überhaupt in meinem Leben. Mir hat es bis zum letzten Meter total viel Spaß gemacht, da bin ich total dankbar, dass ich das so erleben durfte», sagte die ehemalige Langläuferin. Erst 2017 war sie zum Biathlon gewechselt und feierte schnell Erfolge. Neun WM- und zwei Olympia-Medaillen waren der Lohn für einen mutigen Disziplin-Wechsel im höheren Sportlerinnenalter.

Als Trainerin an der Strecke werde man sie künftig nicht erleben. Dem Biathlon bleibt sie aber treu. Für einen Sponsor ist sie in diesem Winter bei den Weltcups in Hochfilzen, Lenzerheide, Ruhpolding und Antholz dabei. Derzeit verlangt auch der Hausbau in Ruhpolding mit ihrem Ehemann Thomas viel Aufmerksamkeit. Zudem hat sie ein dreieinhalbjähriges Bachelor-Fernstudium Life-Coaching in Ismaning angefangen und hält Vorträge. «Das bringt mich mit den Sachen, die ich jetzt schon mache, weiter – und mal sehen, wo es mich hinführt», sagte Herrmann-Wick.

Von Sandra Degenhardt und Thomas Wolfer, dpa

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