Siegte im Slalom in Zagreb: Linus Straßer. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marco Trovati/AP/dpa)

Linus Straßer wusste gar nicht mehr wohin vor lauter Glück, als er sich mit frisch gekröntem Haupt auf seinen Thron setzte.

«Unglaublich, unglaublich», stammelte der deutsche Skirennfahrer nach seinem Husarenritt. Dank eines famosen zweiten Durchgangs feierte der Münchner am Mittwoch in Zagreb den ersten Slalom-Weltcupsieg seiner Karriere. Der 28-Jährige triumphierte beim Torlauf in der kroatischen Hauptstadt vor den Österreichern Manuel Feller (+0,10 Sekunden) und Marco Schwarz (+0,16). Anschließend sank er mit Tränen in den Augen auf die Knie.

Es ist der erste Slalom-Sieg für die deutschen Herren seit dem Erfolg von Felix Neureuther im November 2017 im finnischen Levi und der erste für das gesamte Alpin-Team des Deutschen Skiverbands (DSV) in diesem Winter. Dabei hatte sich Straßer vor dem Start gar nicht mal so gut gefühlt, wie er dem ZDF hinterher sagte. Nach dem ersten Lauf hatte er noch auf Platz acht gelegen. Bei seiner furiosen Fahrt im Finale habe er dann zwar schnell gemerkt, dass er «in einem guten Flow» sei und auch keine Fehler gemacht. Aber, «dass es ganz nach vorne reicht, hätte ich auch nicht gedacht».

Nicht völlig überrascht, aber dennoch erleichtert wirkte auch DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier nach dem Sensations-Sieg seines Schützlings. «Das ist das, auf das wir viele Jahre gehofft haben beim Linus», sagte der 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben jahrelang gewusst, wie schnell er ist und wie cool er Ski fahren kann. Jetzt hat er es endlich auch im Rennen gezeigt.»

Auch Vorgänger und Ex-Skistar Felix Neureuther lobte Straßer für seinen starken Auftritt. «Das war super, wirklich extrem gut», sagte der 36-Jährige der dpa. «Er ist clever gefahren und hat endlich sein Potenzial ausgenutzt.» Im Training sei Straßer schon in den letzten Jahren «immer wahnsinnig schnell gefahren», erklärte Neureuther. Nun habe man auch im Wettkampf «das Gefühl, dass er diese Ruhe ausstrahlt, dass er nicht überpaced, sondern das macht, was er kann».

Bereits beim Slalom in Madonna di Campiglio kurz vor Weihnachten hatte Straßer als Sechster überzeugt. Auf dem Bärenberg zeigte er nun die wohl beste Fahrt seiner bisherigen Laufbahn. Was umso bemerkenswerter ist, da er in der Vorbereitung auf den WM-Winter viel weniger trainieren konnte als seine Rivalen. Eine Oberschenkelblessur zwang den Technikspezialisten im Herbst zu einer monatelangen Pause. Bei seinem ersten Saisoneinsatz in Alta Badia Mitte Dezember fehlte ihm noch die Sicherheit für die Attacke. Die folgte dafür jetzt in Zagreb – beim ersten von sieben Slalomrennen in diesem Monat.

Und sie weckt Hoffnung auf mehr. «Irgendwann geht der Knoten auf», sagte Alpinchef Maier. Lange war Straßer eine Art unerfülltes Versprechen. Nach seinem fünften Platz im Slalom von Schladming 2015 sorgte er nur noch in Parallel-Events richtig für Furore, gewann einzig das City-Event in Stockholm Anfang 2017. Nun dürfte er dem deutschen Team mit Blick auf die weiteren Klassiker im Januar und die WM im Februar einiges an Druck nehmen – und nach dem Ausfall von Speed-Ass Thomas Dreßen (Hüft-OP) das neue Zugpferd werden. «Total cool» sei Straßers Sieg für die DSV-Riege, sagte Maier. «Ein Hammer!»

Von Christoph Lother und Manuel Schwarz, dpa

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