Die deutschen Rodler gewinnen Gold in der Team-Staffel. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Michael Kappeler/dpa)

Die deutschen Gold-Rodler lagen noch auf dem Schlitten, da stürmten die Teamkollegen schon mit funkelnden Augen in den Eiskanal. Mit lauten Jubelschreien, Tränen und Fahnen feierte die Team-Staffel nicht nur einen historischen Abschluss der Rodel-Wettbewerbe, das Duo Tobias Wendl und Tobias Arlt krönte sich mit dem insgesamt siebten Olympiasieg seit 2014 zu Deutschlands erfolgreichsten Winter-Olympioniken.

«Unser letzter Olympialauf war nochmal richtig schön. Wir genießen jetzt den Moment. Das ist der krönende Abschluss», sagte Arlt nach seinem wohl letzten Olympia-Rennen. Rodel-Cheftrainer Patric Leitner kündigte im ZDF an: «Die Mannschaft wird heute das deutsche Haus zerlegen.»

DOSB-Präsident Thomas Weikert schwärmte von einer «Lebensleistung. Sie haben es geschafft. Die gesamte Mannschaft verneigt sich vor euch», sagte Weikert über die Rekordhalter. Der Bayern-Express Wendl/Arlt überflügelte seine langjährige Kollegin Natalie Geisenberger aus der bayerischen Trainingsgruppe «Sonnenschein», die neben sechsmal Gold noch einmal olympisches Bronze gewann.

«Wenn mir der Rekord wichtig gewesen wäre, hätte ich nicht aufgehört. Bei Olympischen Spielen sind die Tobis halt da. Das ist einfach so. Das ist anscheinend ein Gesetz», sagte Eurosport-Expertin Geisenberger.

Machtdemonstration: Über eine halbe Sekunde Vorsprung

Seit der Einführung der Staffel-Disziplin 2014 stand immer Deutschland ganz oben auf dem Olympia-Podest. 0,542 Sekunden betrug der Vorsprung vor Österreich – eine Machtdemonstration. Gastgeber Italien wurde Dritter. «Alles Top-Läufe. Ganz wenig Läufe, gute Reaktionszeiten. Man hat bei den Emotionen im Ziel gesehen, was das wert ist», sagte Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD).

Währenddessen kniete Wendl aufgelöst mit dem Gesicht auf dem Eis. Um ihn herum war der Jubel grenzenlos. Auch die Skirennfahrerinnen Kira Weidle-Winkelmann und Emma Aicher stürmten in den Kanal.

Julia Taubitz und Max Langenhan feierten durch den Team-Erfolg ihr zweites Gold nach ihren Einzelsiegen. Dajana Eitberger, die am Vortag mit Debütantin Magdalena Matschina Silber bei der Olympia-Premiere im Frauen-Doppel holte, freute sich über ihr erstes Gold. Wendl/Arlt hatten zuvor Bronze im Doppelsitzer gewonnen.

Rodel-Cheftrainer Leitner, selbst 2002 mit Alexander Resch Olympiasieger im Doppel, wischte sich nach dem Finale Furioso immer wieder die Tränen aus den Augen: «Das war unglaublich. Ich habe nichts zu beanstanden.»

Deutschland bleibt Rodelnation Nummer eins

Somit bleibt Deutschland die Rodelnation Nummer eins. Drei Olympiasiege sowie je einmal Silber und Bronze sind aufgrund der zuletzt starken Österreicher und Italiener eine Topbilanz.

Das Traumergebnis von Peking 2022 mit viermal Gold und zweimal Silber wurde aber nicht erreicht. «Es ist vermessen, wenn man glaubt, die Peking-Bilanz kann man noch übertreffen», sagte hatte Schwab gesagt. 

In den Strukturgesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund hatte der erfolgreiche Wintersportverband von insgesamt neun bis elf Medaillen in der Eisrinne angepeilt – inklusive Bob und Skeleton. «Das ist unser Ziel. Dem wollen wir so nahe wie möglich kommen – oder es vielleicht sogar übertreffen», sagte Schwab vor dem Start der Skeleton- und Bob-Rennen.

Abschied von der olympischen Bühne

Mit dem siebten Olympia-Gold verabschieden sich Wendl/Arlt von der olympischen Bühne. Ans Aufhören denken sie aber noch nicht. «Wir sind so fit wie lange nicht. Unterm Strich kann man sagen, dass das fitteste Duo Wendl/Arlt dasteht, das es je gegeben hat», meinte Wendl. 

Ihre Karriere wollen sie unbedingt in ihrer Heimat am Königssee beenden, um Familien und Freunden etwas zurückzugeben. Der Bahn-Neuaufbau sollte zur WM 2028 abgeschlossen sein, steht aber auf der Kippe. «Das ist unser Ziel. Und wir wollen zum Abschluss in diesem Winter noch die große Kristallkugel im Gesamt-Weltcup holen», sagte Arlt. Nach sieben von neun Stationen führt der Bayern-Express souverän.

Nur noch Norwegens Langläufer Klaebo besser

Von den noch aktiven Sportlern ist in der Olympia-Medaillen-Wertung nur noch der norwegische Skilanglauf-Star Johannes Hoesflot Klaebo mit siebenmal Gold, einmal Silber und Bronze erfolgreicher. Diese Bilanz könnte er aber schon an diesem Freitag weiter aufbessern.

Von Frank Kastner und Jordan Raza, dpa

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