Darja Dolidowitsch ist Teil des Flüchtlingsteams des Welt-Biathlonverbandes. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Hendrik Schmidt/dpa)

Für Darja Dolidowitsch war bei ihrer Premiere im Biathlon-Weltcup ihre Platzierung Nebensache. Vielmehr ging für die 20-Jährige aus Belarus ein Traum in Erfüllung. «Es war einfach der Wahnsinn. Als ich im Startbereich stand, musste ich weinen, weil es so überwältigend war», sagte Dolidowitsch nach Platz 68 und mehr als drei Minuten Rückstand auf die schwedische Siegerin Elvira Öberg der Deutschen Presse-Agentur.

Dass Dolidowitsch starten kann, ist eine Ausnahme. Denn seit März 2022 sind Belarussen und Russen wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Biathlon gesperrt. Aber ihre Familie flüchtete 2022 gen Polen, wohnt jetzt in Zakopane.

Das Regime von Machthaber Alexander Lukaschenko hatte ihrem Vater Sergei Dolidowitsch (52), der als Langläufer zwischen 1994 und 2018 an sieben Olympischen Spielen sowie elf Weltmeisterschaften teilnahm, eine Unterstützung der Opposition vorgeworfen. 

Dolidowitsch als Einzige im Flüchtlingsteam

Durch ihren Status als anerkannter Flüchtling ist Dolidowitsch seit der vergangenen Saison im Flüchtlingsteam des Biathlon-Weltverbandes. «Weil auch Biathleten von diesem Konflikt betroffen sind, haben wir dieses Team geschaffen. Sie trainiert im polnischen Junior-Team dank der Unterstützung des IOC», sagte IBU-Kommunikationsdirektor Christian Winkler. 

Bisher ist sie die Einzige im Refugee-Team der IBU. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) unterstützt mit seinem Programm «Olympic Solidarity» weltweit geflüchtete Sportlerinnen und Sportler mit Stipendien. 

Große Herausforderungen 

Dabei ist Dolidowitsch erst seit drei Jahren Biathletin. Seit Kindertagen betrieb sie Langlauf, wurde von ihrem Vater trainiert. Ein Wechsel zum Biathlon in ihrem Geburtsland klappte mangels Trainer nicht. In ihrer neuen Heimat griff sie den Plan dann wieder auf. Polens Langlauf-Legende Justyna Kowalczyk stellte den Kontakt zur polnischen Biathlon-Mannschaft her. 

«Der Anfang war sehr hart. Ich musste mich an das neue Umfeld gewöhnen, eine neue Sprache lernen, und auch das Schießen war etwas völlig Neues für mich», sagte Dolidowitsch. 

Das polnische Team, mit dem sie dank der Unterstützung des polnischen Verbandes in Trainingslager und zu den Wettkämpfen reist, «ist wie eine Familie. Ich bin ihnen allen sehr dankbar. Ich fühle mich in Polen zu Hause», sagte Dolidowitsch, die einen rasanten Aufstieg hinter sich hat: Vor einem Jahr noch im Junior-IBU-Cup, diesen Winter im zweitklassigen IBU-Cup mit einem elften Platz als bisher bestem Ergebnis und jetzt zum Start des Olympia-Jahres die Premiere in der A-Liga.

Der Traum von Olympia

Sie hofft jetzt auf die polnische Staatsbürgerschaft und will irgendwann bei Olympischen Winterspielen starten. «Das wäre das Größte», sagte die 20-Jährige. Nach dieser Olympia-Saison endet aber ihr Stipendium. Ob es um vier Jahre verlängert wird, ist offen. «Ich hoffe, dass ich meinen Traum weiter leben kann.»

Von Sandra Degenhardt, dpa

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