Mit einer kleinen Party wurde das Bronze-Quartett in der Teamunterkunft gefeiert, von Euphorie wollte bei den deutschen Biathleten aber noch niemand etwas wissen. «Es ist erst mal Erleichterung – und jetzt versuchen wir, auf der Welle weiter zu surfen», sagte Franziska Preuß. Die Medaille in der Mixed-Staffel zum Auftakt der Olympischen Winterspiele in Südtirol gibt zwar nicht nur der 31 Jahre alten Weltmeisterin kurz vor ihrem Karriereende viel Auftrieb, wirklich einfacher werden die Aufgaben bei noch zehn ausstehenden Rennen in Antholz aber sicher nicht.
«Mit dieser Medaille zu starten, war für uns unglaublich wichtig», sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Genau wie bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr in Lenzerheide gelang der bronzene Start im gemischten Quartett. In der Schweiz gab es anschließend noch vier weitere deutsche Medaillen. Ein ähnliches Ergebnis wäre ganz nach dem Geschmack des Teams.
«Wir haben definitiv noch was vor», sagte Bitterling: «Es ist jetzt nicht so, dass wir uns auf die Abreise vorbereiten und sagen: Jetzt haben wir hier unsere Medaille und jetzt sind die anderen dran.» Bei den Winterspielen vor vier Jahren in Peking hatte es zu einmal Gold und einmal Bronze gereicht.
Schon nach dem ersten Rennen fällt der Druck ab
Schlussläuferin Preuß konnte am Sonntag sogar eine Strafrunde verkraften, weil Justus Strelow, Philipp Nawrath und Vanessa Voigt allesamt ihre zehn Schüsse perfekt trafen. Diese Leistungen machen auch mit Blick auf die Einzelrennen Mut, obwohl die Favoriten aus Frankreich, Italien oder Norwegen kommen. Am Dienstag (13.30 Uhr/ZDF und Eurosport) sind zunächst die Männer über 20 Kilometer dran, am Mittwoch (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) die Frauen über 15.
«Es ist erst mal schön für die ganze Mannschaft, wenn man mit einem Plus nach Hause fährt», sagte Preuß. Die Medaille in der Tasche hilft auch Nawrath. «Es ist schon einiges, das jetzt abfällt», sagte der 32-Jährige zum Druck, der sich aufgebaut hatte. Fast schon traditionell wird von den Biathletinnen und Biathleten bei sportlichen Höhepunkten viel erwartet.
Preuß von erster Medaille überrascht
Dass zum Start nun nur Olympiasieger Frankreich und Gastgeber Italien stärker waren, war nicht unbedingt zu erwartet. Sowohl Norwegen als auch Schweden wurden ihren Rollen als Mitfavoriten nicht gerecht. «Ich hätte ehrlicherweise nicht gedacht, dass wir so glücklich heimgehen», sagte Gesamtweltcupsiegerin Preuß ganz offen: «Ich glaube, das ist schon mit der härteste Wettkampf, um eine Medaille zu gewinnen.»
Zwei starke Männer und zwei starke Frauen haben viele Nationen, dass die Deutschen in einem engen Kampf auf 1600 Metern Höhe aber die Nerven behielten, spricht klar für sie. «Das Team hat sich wirklich toll gefunden», sagte Bitterling: «Wir wissen, dass im Sport zählt, was schwarz auf weiß auf der Ergebnisliste steht. Und da steht für uns im ersten Wettkampf die erste Medaille. Das ist einfach richtig gut.»
Stimmung wie bei Rennen in Deutschland
Hilfreich ist für Preuß und Co. auch, dass eine Atmosphäre wie bei einem Heim-Weltcup herrscht. Trotz Verkehrschaos im Antholzer Tal fanden tausende deutsche Fans den Weg ins Stadion und auf die legendäre Huber Alm, um ihre Heldinnen und Helden anzufeuern. Die Rennen sind bei vielen deutschen Anhängern beliebt, auch im Weltcup strömen sie regelmäßig bei herrlichem Winterwetter nach Norditalien. «Das ist noch mal was ganz Besonderes, dass man jetzt auch die Fans da hat», sagte Nawrath. Bei den vergangenen Winterspielen in Peking und Pyeongchang gab es keine Unterstützung von den Rängen, in Antholz sind auch Freunde und Angehörige der Deutschen dabei.
Ob die guten Eindrücke aus der Mixed-Staffel und die Unterstützung der Fans nun beflügeln? Zumindest dürften diese Dinge dafür sorgen, mit positiver Einstellung und ohne Angst vor dem Versagen an den Start zu gehen. Allerdings zeigte sich auch, dass es ohne Fehler der Konkurrenz schwer wird, auf dem Podium zu landen. Norwegen (4.) und Schweden (5.) mussten zweimal in die Strafrunde. Dem starken deutschen Schießen stehen zudem einige Probleme in der Loipe gegenüber. «Es ist brutal, wie das erste Rennen knallt», sagte Nawrath: «Ich hoffe, dass es sich ein bisschen einpendelt und ich die Höhe besser verkrafte.»

