Philipp Raimund sprach von einem «Münzwurf», Rennleiter Sandro Pertile erklärte Skispringen bei diesem Wetter zu einem Ding der Unmöglichkeit. Starker – teilweise böiger – Wind hat das Weltcup-Wochenende im finnischen Ruka massiv geprägt und nur einen einzigen Wertungsdurchgang in zwei Tagen ermöglicht.
«Wir haben mit diesem Wind keine Chance. Es ist schwierig, wir können keine Verletzungen riskieren», sagte Pertile in der ARD. Am Sonntag herrschten morgens bis zu 18 Meter pro Sekunde Wind. Zwar wurde es am Nachmittag besser, doch nicht mehr ruhig genug für einen fairen Wettbewerb. Nach zwei Verschiebungen um jeweils 20 Minuten erfolgte die Absage. Über einen Ersatzwettbewerb will der Weltverband Fis noch entscheiden.
«Lieber hier als bei Olympia»
«Wir sind froh, dass wir ein Ergebnis hatten. Ein bis zweimal pro Saison haben wir so eine Situation. Lieber haben wir es hier als bei den Olympischen Spielen. Wir sind ein Outdoorsport», erklärte Pertile mit Blick auf die Winterspiele in Italien im Februar. Am Samstag hatte immerhin ein Wertungsdurchgang absolviert werden können.
Für viele Springer wurde das Wochenende ohne große Sprungpraxis zu einer sportlichen Enttäuschung. Das galt nicht für Olympiasieger Andreas Wellinger, der sich nach seinem kolossalen Fehlstart im norwegischen Lillehammer sportlich verbessert zeigte. Der 30-Jährige schaffte beim abgebrochenen Weltcup mit Platz sieben sein mit Abstand bestes Saisonresultat.
Platz sieben «ganz wichtig» für Wellinger
Dazu reichte Wellinger ein Sprung auf 127,5 Meter. Nach wenigen Springern im zweiten Durchgang wurde der Wettkampf wetterbedingt vorzeitig beendet. Der Wind wechselte stark, zudem wurde die Anlaufspur auf der Schanze bei Regen und Schnee zu langsam. Gewertet wurde das Ergebnis nach dem ersten Durchgang.
Nach Wellingers Versuch hatte der scheidende Bundestrainer Stefan Horngacher festgestellt: «Das ist ganz wichtig, dass hier wieder mal ein bisschen Motivation reinkommt und er sieht, es geht.» Nach dem Abbruch sagte der Chefcoach: «Wir können eigentlich recht zufrieden rausgehen aus dem Wettkampf heute.»
Bis zur am 29. Dezember beginnenden Vierschanzentournee sind es noch vier Wochen. Vor Weihnachten wird noch im polnischen Wisla, in Klingenthal und in Engelberg in der Schweiz gesprungen.
Lanisek an der Spitze
Um wieder um die Podestplätze mitkämpfen zu können, muss sich Wellinger allerdings weiter steigern. Den Sieg am Samstag sicherte sich erneut der im Weltcup führende Slowene Anze Lanisek mit einem Satz auf 142 Meter. Zweiter wurde Ren Nikaido aus Japan vor dem Slowenen Domen Prevc.
Schlecht lief es für Hoffnungsträger Raimund. Der 25-Jährige, der am Dienstag im schwedischen Falun noch auf Rang drei gesprungen war, landete diesmal nur auf dem 32. Platz. «Es ist passiert. Ich habe im Münzwurf verloren, aber morgen habe ich ja noch eine Chance», sagte Raimund mit Blick auf die äußeren Bedingungen. Die zweite Ruka-Chance bekam er windbedingt nicht mehr.

