Bei Olympia ist alles wie zu Hause in Oberstdorf: Auch beim Mega-Event in Italien genießen die Rydzeks die familiäre Nähe. «Es ist super schön», sagte Skilangläuferin Coletta Rydzek. Mit Bruder Johannes, einem Kombinierer, wohnt sie im italienischen Tesero in einem Hotel. Für ihren ersten Sprint-Wettkampf am Dienstag (9.15 Uhr) reisen sogar die Eltern an. «Perfekt», schwärmte Coletta Rydzek.
Einzig die Entfernung zu Freund Simon Jocher verhindert noch die perfekte Zusammenkunft. Der Skifahrer kämpft im rund 200 Kilometer entfernten Bormio um Olympia-Medaillen. «Ich sehe ihn nur am Fernseher oder am Telefon. Unsere Wettkämpfe sind alle nah beieinander», erklärte Coletta Rydzek. «Aber, dass der Johannes hier ist, hilft mir sehr».
Bruder Johannes wichtiger Bezugspunkt
Bruder Johannes, zweifacher Olympiasieger 2018 in Pyeongchang, ist für die jüngere Schwester ein enorm wichtiger Bezugspunkt – privat, wie auch sportlich. «Wir bestärken uns, wir unterstützen uns und teilen Erfahrungen», erklärte die 28-jährige Sprint-Expertin. «Wir genießen einfach immer die Gesellschaft miteinander.»
Sportliche Themen stehen eher nicht immer im Vordergrund. «Wir schweifen sowieso genug zu Olympia-Themen derzeit ab», sagte Coletta Rydzek und betonte: «Es geht daher eher darum, von sportlichen Themen wegzukommen und nicht nur an die Wettkämpfe zu denken.»
So läuft es auch im heimischen Oberstdorf ab. Im Haus von Bruder Johannes hat sich Schwester Coletta mit Freund Jocher als Untermieterin niedergelassen. «Vor zehn Jahren hätte das nicht so gut funktioniert mit uns im selben Haus. Mittlerweile funktioniert es sehr gut», sagte Coletta in einem großen Geschwister-Interview der «Süddeutschen Zeitung».
Gekocht wird meist bei Coletta Rydzek
Gekocht wird meist bei Coletta Rydzek, Freund Jocher mäht gerne den Rasen. «Er hat Spaß daran», sagte sie. Bruder Johannes Rydzek betonte aber, dass jeder auch seinen eigenen Weg geht. «Keiner von uns ist hier der Bruder oder die Schwester von», sagte er. «Bei uns gibt jeder dem anderen den Raum, seine Geschichte, auch seine Sportgeschichte zu schreiben, was ich ganz, ganz wichtig finde.»
Dennoch: Die Übereinstimmungen bleiben groß. «Wir beide sind Charaktere, gerade wenn es ums Spielen geht, die ungern verlieren», sagte Coletta Rydzek. Johannes Rydzek unterstrich jedoch, dass es nicht immer nur harmonisch zugeht. «Es gibt Meinungsverschiedenheiten, Streitereien – gerade, wenn so ehrgeizige Charaktere wie wir beide aufeinanderstoßen», erklärte er. «Aber es gibt nie ein Thema, bei dem wir komplett anderer Ansicht sind. Von den Grundwerten her ticken wir gleich.»
Die Wettkämpfe bei Olympia versuchen die Rydzek-Geschwister im besten Fall live vor Ort zu verfolgen. Am Dienstag wird es allerdings schwierig: Wenn Coletta ihren Sprint-Start hat, trainiert Bruder Johannes auf der Schanze, die rund acht Kilometer entfernt ist. «Wenn sie im Finallauf steht, bin ich dann aber sicher in Tesero dabei», erklärte er.

