Gewann auch das zweite Springen in Titisee-Neustadt: Karl Geiger. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Philipp von Ditfurth/dpa)

Das deutsche Top-Duo um Superflieger Karl Geiger glänzte in Olympia-Form, für die beiden früheren Champions Andreas Wellinger und Severin Freund ist der Traum von Peking zu Ende.

Geiger mit der perfekten Ausbeute von zwei Siegen an zwei Tagen und Markus Eisenbichler, der zweimal Dritter wurde, zeigten am Wochenende beim Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt, dass mit ihnen beim in knapp zwei Wochen beginnenden Ringespektakel zu rechnen ist.

Die Olympiasieger Freund und Wellinger dürfen dann nur zuschauen. Bundestrainer Stefan Horngacher entschied sich dafür, mit Geiger, Eisenbichler, Stephan Leyhe, Constantin Schmid und Pius Paschke auf Medaillenjagd zu gehen.

Geiger freut sich auf Olympia

«Ich bin sehr stolz auf die ganze Mannschaft», sagte Horngacher nach den starken Auftritten seiner DSV-Adler in der ARD. «Echt mega cool, muss man echt sagen.»

Geiger, der seinen letzten Sprung des Wochenendes auf herausragende 143 Meter mit beiden Fäusten bejubelte, freut sich nach eigenen Angaben sehr auf Olympia. Er hofft auf «coole Spiele». Der in dieser Saison mit Abstand konstanteste deutsche Springer hat allen Grund, optimistisch nach China zu fliegen. «Ich bin in sehr guter Form», stellte Geiger selbstbewusst zurecht fest und ergänzte: «In so guter Form – auch im Gesamtweltcup – wie noch nie.»

Der 28-Jährige präsentierte sich am Samstag und Sonntag auf der in der Vergangenheit ungeliebten Hochfirstschanze beeindruckend stark und eroberte das Gelbe Trikot des Weltcupführenden vom Japaner Ryoyu Kobayashi zurück. Wenn am kommenden Wochenende bei der Olympia-Generalprobe in Willingen nichts sehr Außergewöhnliches passiert, ist Geiger einer der absoluten Top-Kandidaten auf Gold.

Probleme wegen Corona

Chancen auf eine Einzelmedaille kann sich auch Eisenbichler ausrechnen. Der emotionale Bayer hat in diesem Winter zwar auch immer wieder Probleme, kann es an guten Tagen aber mit der absoluten Weltelite aufnehmen und ist immer für einen Podestplatz gut. 2021/22 landete der 30-Jährige dort im Einzel bislang fünfmal. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften zeigte «Eisei» mit insgesamt fünf Goldmedaillen bereits eindrucksvoll, dass ihm Großereignisse liegen.

Das zeigten Freund und Wellinger in der Vergangenheit ebenfalls, sie kommen aber schon lange nicht mehr an die Form früherer Tage heran. Freund hatte 2014 in Sotschi gemeinsam mit Wellinger Gold im Team gewonnen, Wellinger legte vier Jahre später sogar mit einem Einzel-Olympiasieg nach. Nun warfen den oft so gut gelaunten Action-Sportler zunächst Knieprobleme und dann eine Corona-Infektion zurück. Wegen eines positiven Tests verpasste Wellinger den Weltcup an diesem Wochenende und damit auch die letzte Chance, noch einmal Werbung in eigener Sache zu machen.

Bei anderen Nationen sind die Probleme mit dem Coronavirus sogar noch deutlich größer. Unter anderen die beiden Polen Dawid Kubacki und Piotr Zyla sind nach positiven Tests derzeit nicht dabei. Aus dem starken norwegischen Team fehlten Daniel-André Tande, Johann André Forfang, Fredrik Villumstad und Marius Lindvik in Titisee-Neustadt. Gut möglich, dass Corona noch den einen oder anderen Olympia-Kader durcheinanderbringt. Auch Wellinger und Freund sollen laut Horngacher deshalb «auf Abruf» bleiben.

Von Thomas Eßer und Patrick Reichardt, dpa

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