Das Equipment der Skispringer ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Den dreimaligen Gesamtweltcupsieger Stefan Kraft erwischte es in Japan, der Slowene Timi Zajc verlor bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf nachträglich seinen zweiten Platz: Disqualifikationen sorgen in der Olympia-Saison bei den Skispringern regelmäßig für Wirbel. Als Folge des Skandals um manipulierte norwegische Sprunganzüge bei der WM 2025 wird nun strenger kontrolliert. Wenige Millimeter Stoff könnten auch bei den Winterspielen zwischen Medaille und Ausschluss entscheiden.

«Die Sorge ist schon groß. Das ganze Team und auch die Sportler arbeiten akribisch daran, dass es nicht passiert. Aber man ist nie zu 100 Prozent davor gefeit, dass es vielleicht doch irgendwann mal passiert», sagt Bundestrainer Stefan Horngacher der Deutschen Presse-Agentur.

Material «nicht wie ein Holzbrett»

«Das Material ist beweglich. Es ist ja nicht ein Holzbrett, das man jedes Mal misst und es ist jedes Mal dasselbe», beschreibt Top-Sportler Philipp Raimund die Komplexität der Anzug-Messungen und das damit verbundene Risiko.

«Es ist ein Stoff, der sich durch Bewegung, Nässe, Hitze und Kälte bewegt», sagt der 25-Jährige und ergänzt zum Thema Disqualifikation: «Es kann sein, dass es mal vorkommen könnte. Aber dann nicht, weil wir bescheißen wollen, sondern weil es ein beweglicher Stoff ist.»

Der 25-Jährige verweist wie Horngacher auf besondere Sorgfalt vor jedem Wettkampf und darauf, dass er bislang keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Er könne das Thema im Wettkampf daher ausblenden.

Neuer Kontrolleur greift durch

Seit dieser Saison arbeitet der Österreicher Mathias Hafele als Chefkontrolleur. Der frühere Springer achtet ganz genau darauf, dass die Vorgaben für Anzüge, Schuhe und Ski eingehalten werden.

«Regel ist Regel. Da kann man keine Ausnahmen machen», stellte der 42-Jährige nach der Disqualifikation von Zajc, der dem Deutschen Felix Hoffmann zum Tournee-Start Platz drei bescherte, rigoros fest. Um Vertrauen – im Skisprung-Zirkus selbst und bei den Sportfans – zurückzugewinnen, ist diese Herangehensweise alternativlos.

«Früher gab es mehr Toleranz. Das ist schnell ausgenutzt worden», sagt Horngacher. «Ich finde es so, wie es jetzt gemacht wird, korrekt und gut.» Der frühere Weltklasse-Skispringer und jetzige Eurosport-Experte Markus Eisenbichler sieht das ähnlich. «Ich habe nur Gutes gehört. Jeder Athlet weiß, es läuft fair ab», sagt er.

Bundestrainer: «Kein Misstrauen den anderen gegenüber»

Die neue Praxis hat dazu beigetragen, Argwohn abzubauen. «Ich gehe gerade nicht davon aus, dass da jemand vorsätzlich betrügen will», sagt Horngacher. «Ich habe kein Misstrauen den anderen gegenüber.»

Nach Ärger über milde Strafen und Wut auf die Norweger zu Beginn der Saison geben sich Athleten und Verantwortliche nun Mühe, den Fokus wieder komplett auf den Sport zu lenken.

«Man sollte hinter dem Thema langsam mal einen Haken machen», sagt der deutsche Sportdirektor Horst Hüttel. «Ich begrüße unseren norwegischen Kollegen mit Freude, egal, was da in Trondheim war.»

Der frühere Nordische Kombinierer sagt mit Blick auf den Weltverband. «Ich denke, die Fis hat das – Stand heute – so gut im Griff wie selten in den letzten Jahren.» Hüttel ergänzt: «Ich hoffe, dass wir in drei Wochen dasitzen und dass ich das immer noch so sagen kann.»

Von Thomas Eßer und Tobias Brinkmann, dpa

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