Johan-Olav Botn muss den Tod seines Freundes Sivert Bakken verarbeiten und fällt in Oberhof krank aus. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: Matthias Schrader/AP/dpa)

Der norwegische Gesamtweltcupführende Johan-Olav Botn und sein Teamkollege Sturla Holm Laegreid verpassen den Biathlon-Weltcup in Oberhof. Beide sind krank und daher nicht wettkampffähig, wie der norwegische Biathlon-Verband mitteilte. Stattdessen rücken Sverre Dahlen Aspenes und Martin Nevland, der sein Weltcup-Debüt feiert, ins norwegische Aufgebot. 

«Ich hätte sehr gerne teilgenommen, vielleicht diesmal besonders. Gleichzeitig muss ich auf meine Gesundheit achten, und daher ist dies die einzig richtige Entscheidung», sagt Botn, der im Gesamtweltcup derzeit 113 Punkte Vorsprung auf den Franzosen Eric Perrot (447 Punkte) hat. Laegreid liegt aktuell mit 333 Punkten auf Platz sechs der Gesamtwertung. 

Erster Weltcup nach Tod von Bakken

Für das norwegische Team ist der Weltcup der erste nach dem Tod von Teamkollege Sivert Guttorm Bakken. «Es wird ein ungewöhnliches Wochenende für uns alle. Das Wichtigste ist jetzt, aufeinander zu achten und sicherzustellen, dass die Athleten nach einer herausfordernden Weihnachtszeit eine sichere und gute Erfahrung machen», sagte Norwegens Team-Manager Per Arne Botnan. 

Der 27 Jahre alte Bakken war am 23. Dezember von seinem Freund und Teamkollegen Botn tot in seinem Hotelzimmer im italienischen Lavazè gefunden worden. Sie hatten sich dort mit anderen Teamkollegen zum Training aufgehalten und am Morgen zum Skifahren verabredet. Bei seinem Auffinden trug Bakken eine Höhentrainingsmaske. Die Todesursache ist weiter unklar, die Ergebnisse der Autopsie könnten erst im März vorliegen. 

Botn: «Absoluter Schockzustand» 

Es sei «ein absoluter Schockzustand und pure Panik» gewesen, als er erkannte, dass sein langjähriger Weggefährte nicht mehr lebt, sagte Botn im Interview des norwegischen Senders TV2. «Ich sah, dass er völlig leblos und kreidebleich im Gesicht war. Ich verstand sofort, dass er tot war. Es war ein Schockzustand, in dem man nichts fühlt, sondern nur versucht zu helfen», berichtete er weiter. Er denke sehr viel an die Familie und wolle sich auch mit ihr treffen. 

Botn hat die Hilfe eines Psychologen in Anspruch angenommen. «Ich habe einige Bilder im Kopf, mit denen ich, wie ich erkannt habe, den Rest meines Lebens leben muss. Ich denke, es ist klug, einen Weg zu finden, mit diesen Bildern zu leben», sagte er. Nach dem Schockerlebnis habe er vieles hinterfragt. «Alles wirkt sehr sinnlos, wenn so etwas passiert», sagte Botn. 

Aber er wisse, wie wichtig der Biathlonsport für Bakken gewesen sei, der sich nach einer zweijährigen Pause erst wieder zurück in den Weltcup gekämpft hatte. «Hätte ich die Motivation verloren, hätte ich Sivert meiner Meinung nach enttäuscht. Wir haben gemeinsam darauf hingearbeitet. Ich weiß genau, was Sivert von mir erwarten würde: dass ich trainiere und so gut wie möglich werde. Das Ziel ist klarer denn je», sagte Botn, dem die Rückkehr zum Trainingsalltag hilft.

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