Ist bei Olympia gesetzt: Karl Geiger. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Daniel Karmann/dpa)

Auf das ersehnte Wiedersehen mit seiner Frau und seiner Tochter Luisa muss Karl Geiger noch warten. «Es ist schon schade. Ich würde sie jetzt gerne sehen, meine Lieben», sagte der beste deutsche Skispringer nach dem Finale der Vierschanzentournee in Bischofshofen.

In einer vollgepackten Saison voller Höhepunkte und mit den Winterspielen in weniger als einem Monat bleibt kaum Zeit zum Durchschnaufen. Schon am 8. Januar geht es weiter im Weltcup. Geiger und Eisenbichler sind für Olympia gesetzt. Dahinter geht der Kampf um maximal drei weitere Peking-Plätze in die entscheidende Phase.

Keine Verschnaufpause

Bei allem Verdruss darüber, so lange von seiner Familie getrennt zu sein, hat der dichtgetaktete Terminkalender mit Wettkämpfen an jedem Wochenende sportlich für Geiger auch etwas Gutes. Wenn es immer weitergeht, bleibt kaum Zeit, über verpasste Chancen nachzudenken. Der am Ende viertplatzierte 28-Jährige war mit dem klaren Ziel beim Schanzen-Spektakel angetreten, der erste deutsche Tourneesieger seit Sven Hannawald vor 20 Jahren zu werden. «Es ist ein gutes Zeichen, wenn mehrere Sachen auf der Agenda sind», sagte Geiger. «Sonst wäre es noch bitterer. So kann man das vielleicht besser abhaken.»

Mit Blick auf den anstehenden dritten und vierten Wettkampf auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Serie und die anschließenden Weltcups auf dem Weg Richtung Peking macht Geiger sein dritter Rang beim letzten Tournee-Akt zwei Plätze vor Gesamtsieger Ryoyu Kobayashi Mut. «Es gibt mir viel Selbstvertrauen: Wenn die Sprünge kommen, sind sie auf dem Niveau, dass ich vorne mitspringen kann», sagte Geiger. Der Japaner Kobayashi hatte zuvor alle drei Wettbewerbe beim Schanzen-Spektakel gewonnen und schien in Topform fast unbezwingbar.

Geigers Kumpel Eisenbichler sieht es ähnlich wie der Oberstdorfer. «Wir wissen alle, dass der zu schlagen ist. Es ist jeder zu schlagen», sagte er bestimmt. In seinem anspruchsvollen Sport, in dem Details entscheiden und das Vertrauen in die eigene Stärke eine riesige Rolle spielt, sei es vielmehr so: «Der Endgegner von jedem ist jeder selber.»

Blick nach vorn

Ein weiterer Endgegner soll im nächsten Jahr dann endlich geschlagen werden. Dass es mit dem goldenen Adler für den Tournee-Gesamtsieger schon wieder nicht geklappt hat, ist angesichts der Ausgangslage schon ein bisschen verrückt. Geiger war als Gesamtweltcupführender und Topfavorit angetreten. Während die deutschen Flugkünstler bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen regelmäßig Goldmedaillen abräumen, klappt es ausgerechnet bei der so prestigeträchtigen Tournee nicht mit dem ganz großen Triumph.

«Vielleicht waren wir ab und zu nicht so cool. Das ist einfach so. Nächstes Jahr werden wir wieder angreifen», sagte Eisenbichler und Geiger gab die Devise aus: «Man muss das Quäntchen lockerer sein.»

Mit Blick auf Olympia scheint zumindest Eisenbichler diese Lockerheit zu haben. «Dann fahren wir nach China rüber und machen da wieder einen Weltcup, der etwas mehr aufgebauscht ist», sagte er lapidar. Für die Wettkämpfe auf den Schanzen in Zhangjiakou nordwestlich von Peking wollen neben Geiger und Eisenbichler auch die fünf weiteren Springer aus dem deutschen Tournee-Team dabei sein.

Für Olympiasieger Andreas Wellinger, Severin Freund, Stephan Leyhe, Pius Paschke und Constantin Schmid ist jeder der kommenden Wettkämpfe so etwas wie ein Bewerbungsgespräch bei Bundestrainer Stefan Horngacher. «Gott sei Dank bin ich nicht derjenige, der es entscheiden muss», sagte Schmid mit Blick auf das enge Rennen.

Von Thomas Eßer und Patrick Reichardt, dpa

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