Will bei der Heim-WM in Oberstdorf hoch und weit hinaus: Kombinierer Eric Frenzel. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Daniel Karmann/dpa)

Kurz vor der WM war Eric Frenzel nicht nur beim Training auf der Skisprungschanze oder in der Langlauf-Loipe gefragt.

Als Aushilfslehrer im Homeschooling unterstützte er seinen ältesten Sohn bei den Aufgaben. «Speziell bei Mathe freue ich mich, dass ich da noch gut weiterhelfen kann», sagt der 32 Jahre alte Nordische Kombinierer.

Seine Rechnung der sportlichen Triumphe ist gleichsam einfach und beeindruckend: Zu drei Olympia-Goldmedaillen kommen sieben WM-Titel – zahlreiche weitere Podestplätze gar nicht mitgerechnet. Frenzel hat nicht umsonst den Ruf als Großereignis-König. Beginnend mit dem Einzel am Freitag (10.15 Uhr und 16.00 Uhr/ARD und Eurosport 2) will er diesem bei der Heim-WM in Oberstdorf wieder alle Ehre machen und um sein elftes Gold bei einem ganz großen Saisonhöhepunkt kämpfen.

«Das Ziel ist schon, ganz oben zu stehen», sagt Frenzel, der als Mit-, aber nicht als Topfavorit in die Wettkämpfe geht. «Ich weiß, dass es möglich ist, wenn es gut läuft. Zufrieden wäre ich aber auch, wenn ich weiß, ich habe an dem Tag das Beste gegeben, was ich hatte.» Besonders nervös ist der Sachse nicht. Er weiß: Wenn es drauf ankam, konnte er sich noch meistens auf sich und seinen Körper verlassen.

«Man ist schon entspannter, weil man über die Zeit seine Ruhe gefunden hat und weiß, was auf einen zukommen kann», beschreibt Frenzel die Vorteile seiner Erfahrung. Seinen ersten WM-Titel feierte er vor zehn Jahren in Oslo. 2019 in Seefeld gewann er zweimal Gold und einmal Silber. «Das traue ich ihm wieder zu», sagt Bundestrainer Hermann Weinbuch ohne zu zögern.

Der Erfolgscoach der Kombinierer bewundert Frenzels Fähigkeit, auf den Punkt liefern zu können. «Da ist er ein Künstler. Von daher bin ich guter Hoffnung, dass er das zusammenbringen kann», sagt Weinbuch. Seinen Schützling, der in diesem Winter teamintern vom viermaligen Saisonsieger Vinzenz Geiger überboten wird, beschreibt der Cheftrainer als ausgeglichenen Typ, «der eine innere Ruhe und eine Selbstüberzeugung hat, ohne abzuheben. Das ist sehr viel wert. Er findet immer wieder die richtige Balance.»

Dabei hilft ihm auch seine Familie, Frau Laura und die drei Kinder. Anders als beispielsweise die Skispringer, die am vergangenen Wochenende noch einen Weltcup in Rumänien bestritten, hielt sich der Reisestress für Frenzel und seine Kombi-Kollegen in den vergangenen Wochen in Grenzen. Coronabedingt fielen Wettkämpfe aus, stattdessen wurde in der Heimat trainiert. «Man konnte sich nochmal beruhigen und den Stress aus der ganzen Situation ringsherum rausnehmen», sagt Frenzel. «Einfach mal gemütlich so dahin leben mit der Familie: Das tat auf jeden Fall gut.»

Genau wie die Verpflichtung von Sprungtrainer Heinz Kuttin im vergangenen Mai. Der Österreicher brachte die Kombinierer zumindest wieder etwas näher an die besten Springer um Norwegens Überflieger Jarl Magnus Riiber heran. «Wir haben schon gemerkt, dass wir ein bisschen festhängen und nicht so richtig vorankommen», sagt Frenzel über den Wechsel auf dem Posten von Ronny Ackermann zum früheren Spezialspringer. «Von daher war es sehr glücklich, dass wir den Heinz gefunden haben.»

In der Vorsaison schaffte es Frenzel gar nicht auf das Weltcup-Podest, diesen Winter stand er nach Einzelrennen immerhin schon dreimal drauf. Ganz oben allerdings noch nicht. Es wäre nicht untypisch für den Meister der Highlights, wenn es ausgerechnet im Allgäu soweit wäre.

Von Thomas Eßer und Patrick Reichardt, dpa

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