Lena Dürr steht nach ihrem Aus enttäuscht ins Ziel. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Michael Kappeler/dpa)

Der große Olympia-Traum von einer Slalom-Medaille platzte für Lena Dürr im zweiten Lauf nach weniger als zwei Sekunden. Trotz Top-Ausgangslage erlebte die deutsche Skirennfahrerin ein sportliches Fiasko und fädelte bereits am ersten Tor ein. Jähes Aus statt ihr erstes Einzel-Edelmetall bei Winterspielen: «Katastrophe, worst case – aber so ist es jetzt», sagte Dürr tief enttäuscht. Komplett konsterniert stand sie im Zielraum und stemmte die Hände in die Hüfte.

Teamkollegin Emma Aicher hockte mit einer Sonnenbrille vor den Augen im Ziel und drehte sich entsetzt weg von den Kameras, als Dürr der Patzer als Zweitplatzierte des ersten Laufs kurz nach dem Start unterlief. «Man kann es noch gar nicht realisieren hier im Ziel. Da meint man, man bekommt noch einen Re-Run und es geht nochmal von vorne los», sagte Dürr. Aus am ersten Tor – das sei ihr zuletzt vor rund 15 Jahren bei einem unterklassigen Fis-Rennen passiert, meinte sie.

Beim triumphalen Sieg von US-Superstar Mikaela Shiffrin blieb dem deutschen Duo damit nur die Nebenrolle, Aicher wurde Neunte.

Dürr hält dem Druck wieder nicht stand

Vier Jahre nach dem Olympia-Drama von Peking erlebte Dürr in den Dolomiten nun gleich zwei weitere sportliche Tragödien. In China war sie 2022 als Führende in den zweiten Lauf des Slaloms gegangen und noch auf den vierten Rang zurückgefallen. Später holte zwar sie noch Silber mit der Mannschaft, doch das war nur ein kleiner Trost.

In Cortina d’Ampezzo verspielte sie nun sowohl im Riesenslalom, in dem sie am Sonntag Neunte geworden war, als auch im Torlauf gute Medaillenaussichten. Der bislang größte Einzelerfolg der Münchnerin bleibt damit WM-Bronze 2023.

Das deutsche Alpin-Team beendet die Spiele in Norditalien damit mit zwei Medaillen. Aicher hatte in der Abfahrt und in der Team-Kombination mit Kira Weidle-Winkelmann jeweils Silber geholt. Während die Frauen mitunter famose Fahrten zeigten, gingen die Männer bei ihren Wettbewerben in Bormio wieder mal leer aus.

Slalom-Königin Shiffrin schlägt zurück

Shiffrin krönte sich mit 1,50 Sekunden Vorsprung auf die Schweizerin Camille Rast zur überlegenen Olympiasiegerin und besiegte damit ein Olympia-Trauma. 2022 in China war sie bei sechs Starts ohne Medaille geblieben. In der Team-Kombination vorige Woche landete sie mit Abfahrts-Champion Breezy Johnson nach einem verkorksten Slalom nur auf Rang vier, im Riesenslalom verpasste sie als Elfte sogar die Top Ten.

Diesmal brillierte die 30-Jährige aber wieder und holte die vierte Olympia-Medaille ihrer Laufbahn. Zweimal Gold bei Winterspielen, vier WM-Titel und 71 Weltcup-Rennen hat die Amerikanerin im Slalom nun schon gewonnen.

Von Christoph Lother und Florian Lütticke, dpa

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