Als die Amerikanerin Elana Meyers Taylor im Monobob Laura Nolte noch denkbar knapp das Gold entriss, jubelte die 41-Jährige nicht alleine, sondern mit ihren beiden kleinen Söhnen Nico und Noah. Die Kinder sprangen ihrer Mutter glücklich in die Arme und spendierten den ersten Kuss. Auch Bronze-Medaillengewinnerin Kaillie Armbruster Humphries führte mit ihrem im Juni 2024 geborenen Sohn Aulden einen kleinen Tanz auf.
Die Szenen aus Cortina sind kein Einzelfall und zeigen: Es sind auch die Winterspiele der erfolgreichen Mütter – und ihrer besonderen Geschichten. Ein Überblick:
Francesca Lollobrigida
Schon kurz nach der Eröffnung der Winterspiele feierte Italiens Eisschnelllaufstar Francesca Lollobrigida am 35. Geburtstag mit ihrem im Mai 2023 geborenen Sohn Tommaso den Olympiasieg. Mehr noch, sie widmete ihrem Kind sogar die Goldmedaille. Der Triumph bedeute ihr «sehr viel», sagte die Großnichte der berühmten Schauspielerin Gina Lollobrigida. «Sie zeigt auch, dass man es nicht aufgeben muss, eine Familie zu gründen, Mutter zu werden und dann zum Wettkampf zurückzukehren.» Mama und Sohn sorgten auch für einen niedlichen TV-Moment: In einem Interview griff Tommaso immer wieder nach dem Schutz des Mikrofons. Wenige Tage später holte Lollobrigida sogar noch ihr zweites Gold.
Elana Meyers Taylor
Im Monobob hat Meyers Taylor schon einmal Gold gewonnen und dabei die deutsche Pilotin Nolte bezwungen. Im Zweierbob könnte die 41-Jährige noch einmal nachlegen. Ihre beiden Söhne Nico (Jahrgang 2020) und Noah (2022) sind in Cortina d’Ampezzo mit dabei. Sie kamen beide zu früh zur Welt, verbrachten einige Zeit auf der Intensivstation für Neugeborene und sind gehörlos. Meyers Taylor sagte vor den Spielen, sie wolle die Bühne nutzen und Familien Hoffnung geben, die ähnliche Ängste durchmachen mussten.
Janina Hettich-Walz
Die deutsche Biathletin hat bei diesen Winterspielen noch keine Medaille vorzuweisen, belegte aber im Einzel einen ordentlichen achten Platz. Die Saison 2024/25 ließ sie aus, nachdem sie ihre Schwangerschaft bekanntgegeben hatte. Im Februar 2025 kam Tochter Karlotta zur Welt. In dieser Saison griff Hettich-Walz wieder ins Wettkampfgeschehen ein. «Meine Tochter ist eine große Motivation für mich», sagte die 29-Jährige.
Sarah Schleper
Sarah Schleper hat bei diesen Spielen Olympia-Geschichte geschrieben. Nicht, weil sie als Mutter startet, sondern weil sie gemeinsam mit ihrem Sohn Lasse Gaxiola für Mexiko antritt. Mutter und Sohn als Aktive bei den gleichen Winterspielen – das gab’s nach Angaben der Organisatoren noch nie. «Es war ein Ziel, das wir schon seit vielen Jahren hatten», sagte die 46-Jährige über den gemeinsamen Olympia-Start in Norditalien. «Überwältigend» und «sehr emotional» fühle sich das an. Im Riesenslalom wurde sie disqualifiziert, im Super-G belegte sie den 26. Platz.
Cassie Sharpe
Die Halfpipe-Olympiasiegerin von 2018 bestreitet ihre ersten Winterspiele als Mutter. 2023 kam Tochter Lou zur Welt, seither hat sich Sharpes Blickwinkel auf den Sport verändert, wie die Ski-Freestylerin selbst erklärte: «Es geht nicht mehr nur um mich, es geht darum, was Lou braucht und wie ich ihr helfen kann. Das verändert die Dynamik des Reisens komplett.» Die Qualifikation für die 33 Jahre alte Kanadierin steht am Donnerstag an.
Eva Adamczykova
Die Snowboarderin aus Tschechien gewann Silber im Snowboardcross. 13 Monate zuvor hatte sie einen Sohn zur Welt gebracht. «Wir Frauen haben in den vergangenen Jahren unsere Sichtweise auf uns selbst verändert, weil so viele Mütter in den Profisport zurückkehren», sagte Adamczykova. «Es ist machbar und möglich, wenn man genügend Unterstützung hat. Ich habe einfach das Glück, diese Unterstützung zu haben. Das bedeutet mir wirklich sehr viel, es ist nicht meine Medaille.»
Kendall Coyne Schofield
Stellvertretend für die Mütter im Mannschaftssport steht Kendall Coyne Schofield. Die Star-Stürmerin gewann mit dem US-Eishockeyteam bereits dreimal Gold. Seit 2023 ist sie Mutter, nur einen Monat nach der Geburt von Sohn Drew kehrte sie bereits wieder ins Training zurück. In der Dokumentation «The Hockey Mom» berichtet die 33-Jährige, wie sie das Mama-Dasein erlebt: «Ich bin anders, ich bin jetzt Mutter, aber wenn ich wieder aufs Eis gehe, bin ich immer noch dieselbe Spielerin. Ein Kind zu haben ändert daran nichts.»

