Kira Weidle-Winkelmann zog Emma Aicher erst am Skistock aus dem Zielraum und fiel ihr bei der Siegerehrung dann erleichtert um den Hals. Das deutsche Duo hat bei den Olympischen Winterspielen in Italien Silber in der Team-Kombination geholt. Für Aicher ist es bereits die zweite Medaille, nachdem sie auch in der Abfahrt am Sonntag zu Silber gerast war.
Die 22-Jährige ist schon jetzt der neue Alpin-Star in Schwarz-Rot-Gold. Als erste deutsche Skirennfahrerin seit Maria Höfl-Riesch vor zwölf Jahren im russischen Sotschi nimmt sie gleich zwei Plaketten von denselben Winterspielen mit nach Hause. Mindestens. Im Super-G und im Spezialslalom könnte die Allrounderin noch weiter abräumen. Drei deutsche Medaillen bei einer Olympia-Ausgabe – das schafften bislang nur Annemarie Buchner 1952 in Oslo, Rosi Mittermaier 1976 in Innsbruck und Katja Seizinger 1998 in Nagano.
Nur 0,05 Sekunden fehlen zu Gold
«Wahnsinn, unglaublich!», sagte Abfahrerin Weidle-Winkelmann nach dem famosen Slalom ihrer jungen Kollegin. Eine «Achterbahn» sei das gewesen. Aber: «Die Emma hat 100 Prozent abgeliefert.» Wieder mal.
Gerade mal 0,05 Sekunden fehlten der deutschen Paarung am Ende auf die überraschenden Siegerinnen Ariane Rädler und Katharina Huber. Bronze ging an das US-Duo Jacqueline Wiles und Paula Moltzan. Der amerikanische Superstar Mikaela Shiffrin und Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson fielen noch vom ersten auf den vierten Platz zurück. Shiffrin war in China vor vier Jahren ohne Olympia-Medaille geblieben und hatte nun ihren ersten Auftritt bei den Spielen in den Dolomiten. Im Slalom war sie eine Sekunde langsamer als die furiose Aicher.
Aicher holt im Slalom mächtig auf
Zur Halbzeit des Events hatte das deutsche Duo auf Rang sechs gelegen. Der Rückstand auf die Podestplätze betrug nach Weidle-Winkelmanns Abfahrt auf der berühmten Piste Olimpia delle Tofane eine knappe halbe Sekunde. Doch Aicher holte im Slalom auf – vor allem mit einem superschnellen Mittelteil.
Es sei wieder eine «sehr herausfordernde Abfahrt» gewesen, meinte Weidle-Winkelmann nach dem ersten Teil der Kombination – auch wegen der mitunter «diffusen» Sicht. Dennoch war sie mit der Ausgangslage für Aicher zufrieden. Diese sei «eine der besten Slalomfahrerinnen der Welt», sagte die Starnbergerin über ihre Teamkollegin. Sie vertraue ihr zu 100 Prozent – zu Recht.
Die Team-Kombination gehörte nach ihrer WM-Premiere 2025 in diesem Jahr erstmals zum Olympia-Programm. Die Zeiten aus Abfahrt und Slalom werden dabei addiert. Bisher kommt das Event bei den Athletinnen und Athleten gut an. «Genial» findet es auch Ex-Skistar Felix Neureuther, der bei den Spielen in Norditalien wie gewohnt als TV-Experte der ARD im Einsatz ist.
Wieder deutsche Festspiele in Cortina
Das deutsche Ski-Team und Cortina d’Ampezzo – es ist schon jetzt wieder eine Erfolgsgeschichte. Bereits bei der WM 2021 hatte es in den Dolomiten reichlich schwarz-rot-goldenen Jubel gegeben. Romed Baumann war im Super-G zu Silber gedüst – wie Andreas Sander und Weidle-Winkelmann in der Abfahrt.
Aicher hatte ohne jegliche Weltcup-Erfahrung damals auf Anhieb zu Bronze im Mannschaftswettbewerb beigetragen. Fünf Jahre später ist die Tochter einer Schwedin und eines Deutschen kein Talent mehr, sondern der Star im Team.

