Karl Geiger hat die Qualifikation für das Springen in Innsbruck verpatzt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Daniel Karmann/dpa)

Völlig fassungslos rang Karl Geiger nach der schweren sportlichen Niederlage am Bergisel um Worte. Platz 51 in der eigentlich als Formsache betrachteten Innsbruck-Qualifikation konnte sich Deutschlands Skisprung-Hoffnung am Dienstag selbst nicht erklären.

«Das war, boah, heftig», sagte der 29-Jährige, der sonst der verlässlichste Athlet im Team von Bundestrainer Stefan Horngacher ist. «Echt mies, dass es nicht mal für die Top 50 reicht.»

Geiger wird am Mittwoch (13.30 Uhr/ARD und Eurosport) nicht dabei sein. Alle Hoffnungen auf eine ordentliche Platzierung in der Gesamtwertung der bedeutenden Vierschanzentournee sind für ihn dahin.

Bundestrainer bedient

Nach dem 108-Meter-Hüpfer fehlten Geiger am Ende 0,2 Punkte, um ins Finale am berühmten Bergisel zu kommen. Auch Horngacher, der am Ruhetag noch positiv auf die beiden Tournee-Stationen in Österreich geblickt hatte, war bedient. «Das ist schwierig jetzt. Das habe ich nicht erwartet. Ausgeschieden, leider, ja, müssen wir so hinnehmen. Es ist bitter für uns, aber es hilft jetzt nix. Es ist völlig danebengegangen», sagte der 53 Jahre alte Cheftrainer.

Auf der markanten Schanze in Tirol haben Deutschlands Flieger schon häufiger schwere Niederlagen und folglich das Aus aller Tournee-Träume hinnehmen müssen. Ein derart bitterer K.o. bereits in der Qualifikation, in der gerade mal 60 Springer starteten und außer Geiger nur unbekannte Außenseiter scheiterten, ist aber neu. «Der Bergisel verzeiht keine Fehler. Es war schwierig zu springen», sagte Horngacher.

Der goldene Adler für den Sieger war angesichts von mehr als 30 Metern Rückstand auf Halvor Egner Granerud aus Norwegen schon vor der Innsbruck-Station dahin – Rang 51 ist trotzdem genauso schmerzhaft.

Hoffnungen auf Wellinger

«Es ist unfassbar bitter, dass er ausscheidet. Das ist leider Gottes Skispringen. So schnell kann es gehen, dann hat man die Scheiße am Schuh kleben», sagte Teamkollege Andreas Wellinger, der bislang Sechster in der Tournee-Wertung war und nun die Hoffnungen des deutschen Teams schultern muss.

In der Qualifikation landete der Olympiasieger beim Erfolg des Polen Dawid Kubacki auf Rang 15, auch sonst schaffte es kein deutscher Athlet unter die besten Zehn. Die deutschen Aussichten vor dem Springen am Mittwoch (13.30 Uhr/ARD und Eurosport) sind trüb.

Auf Geiger wartet nun ein Ruhetag der unangenehmen Sorte. Während die Weltelite in einem der bekanntesten Skisprung-Stadien der Welt um wichtige Tournee-Punkte kämpft, ist der Allgäuer erst in Bischofshofen am Donnerstag wieder gefordert. «Ich hätte alles unterschrieben, aber nicht, dass Karl Geiger die Quali nicht schafft. Das schafft er normal ohne Schuhbinden. Ich bin gerade echt sprachlos, wie schnell es sein kann, dass wir vor so einem Klotz stehen», sagte TV-Experte Sven Hannawald in der ARD.

Geiger sucht keine Ausreden

Der letzte deutsche Vierschanzentournee-Sieger analysierte die technischen Defizite Geigers und sprach überspitzt von einem «Todesurteil». Geiger wurde nach seinem Aus auch zu körperlichen Problemen gefragt. «Im Knie zwickts ein bissl, aber ich will keine Ausreden suchen. Es ist nicht ganz ideal, aber es ging zum Springen», sagte Geiger.

Sein Sprung sei einfach «Murks» gewesen. Als Geiger im Auslauf die zahlreichen Interview-Wünsche erfüllte, war auf der Anzeigetafel des Stadions groß «bis morgen» zu lesen – für Springer Geiger wird das nicht gelten.

Patrick Reichardt und Thomas Eßer, dpa

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